Angelis wurde am 20.Juni 1987 in Wien geboren.
Er hatte damals schon einen größeren Bruder namens Mario der am 20.Februar 1981 das Licht der Welt erblickte.

Angelis wurde Anfangs die ganze Zeit über mit dem Tragetuch durch die Welt geführt.Er hasste Kinderwägen und ich persönlich fand es auch viel angenehmer.

Leider war seine Jugend nicht immer so unbeschwert. Ich und sein Vater waren zu dieser Zeit noch in den Hippieschuhen unterwegs. Ich trennte mich kurzfristig von seinem Vater. In dieser Zeit fuhr ich mit Angelis für 3 Monate nach Sri Lanka.Es war eine schöne Zeit, an die er sich später, als Erwachsener leider nicht mehr erinnern konnte.

Danach zog ich von Wien ins Waldviertel da ich fand dass Wien nicht sehr für Kinder geeignet ist.Wir mieteten uns einen uralten Vierkanthof.Das Leben dort war sehr hart.
Wir hatten nur einen Brunnen und keine Toilette. Außerdem stellten wir fest, dass der Keller unter Wasser stand.Als der Winter kam merkten wir erst wie schlimm das alles war. Wir froren füchterlich und hatten kaum Geld.

Somit zogen wir mitten im Winter wieder nach Wien zu meinen Stiefbruder Peter. Inzwischen war ich auch wieder mit dem Vater von Angelis zusammen.
Eines Tages starb Peters Vater und somit erbten wir eine Wohnung in Wien und ein wunderschönes Haus in Niederösterreich. Wir waren erstmals eine glückliche Familie und genossen das Leben als Familie.

Ich wurde wieder schwanger und wir erfuhren das es Zwillinge werden sollten. Am 27.Dezember 1991 kamen dann Manu und Alina zur Welt.

Ich bezog Angelis ein und merkte gar nicht wie er darunter litt, da ich für die Zwillinge sehr viel Zeit benötigte.Nach über einem Jahr verkauften wir das Haus und wanderten nach Portugal aus.

Mein Mann war immer schon untreu gewesen aber ich dachte dort wird alles anders. Als ich nach einem Jahr Portugal Heimweh bekam flog ich mit den Kindern nach Österreich für eine kleine Stippvisite. Ich wollte meine Eltern und Freunde besuchen.
Als ich dann wieder nach Portugal zurück kam erfuhr ich dass mich mein Mann wieder hintergangen hatte. Dies war dann der endgültige Bruch der Beziehung und ich flog mit den Kindern wieder nach Österreich.

Ich musste mir ein neues Leben aufbauen. Damals kam ich mit mir selbst nicht mehr so richtig zurecht und darunter litten auch meine Kinder .
Wir zogen zu dieser Zeit sehr oft um und so kam es auch dass Angelis nie Freunde finden konnte. Ich denke, dass er unter dieser Situation sehr gelitten hatte.
Er hätte sich sicherlich eine ganz normale und sesshafte Familie gewünscht. Außerdem vermisste er seinen Vater sehr.
Er wechselte oft die Schule und das viel im schwer, da er eigentlich ein eher schüchterner Mensch war.

In der letzten Schule lernte er dann ein Mädchen kennen und sie wurde seine große Liebe.
Damals wurde er mir gegenüber sehr abweisend und ich konnte mich nicht mehr durchsetzen.Er zog zu seiner Freundin die in schrecklichen Lebensumständen lebte.
Mir tat das Herz weh, aber ich konnte daran einfach nichts ändern. Angelis entfernte sich immer mehr von mir und so kümmerte ich mich schließlich darum, dass er trotz seines jungen Alters, er war damals 15, eine eigene Wohnung in Wien bekam, die er mit seiner Freundin bezog. Das war mir noch wesentlich lieber als ihn bei dieser Familie zu lassen.

Als seine Freundin anfing harte Drogen zu nehmen und ihn öfters betrog um an Geld zu kommen trennte er sich schweren Herzens von Ihr.
Er litt fürchterlich unter dieser Trennung.

Ich hatte inzwischen einen neuen Partner bei dem ich mit den Zwillingen wohnte. Eines Abend rief mich Angelis weinend mitten in der Nacht an. Er hatte einen riesen Streit mit seinem älteren Bruder gehebt. Sicherlich waren ihm aber auch alle anderen Belastungen zu viel.

Immerhin musste er damals mit seinen jungen Jahren auf eigenen Füssen stehen und verlor auch noch seine Freundin die er über alles liebte.

Mein Mann und ich setzten uns sofort ins Auto und holten ihn. Von diesem Moment an wohnte er wieder bei mir und ich war glücklich darüber. Es begann eine schöne Zeit. Er hatte Freunde und mein Mann stellte ihn in seiner Firma ein.

Nach einiger Zeit bekam er auch noch eine Wohnung direkt bei seiner Arbeitsstelle. Er lernte wieder Menschen kennen und merkte auch dass man ihn schätzt.
Er hatte ja kaum Selbstbewusstsein und das brauchte er dringend.

Dann lernte er einen Freund kennen, der aber leider im Substtolprogramm war.
Immer wieder fuhr er ihn besuchen und bei jedem Besuch hatte ich Angst.

Er nahm dann dort ebenfalls diese Drogen obwohl er nie süchtig war.

Eines Tages kam er so kaputt nach Hause, dass ich mit ihm ins Krankenhaus fuhr. Seine Nieren arbeiteten schlecht und seine Muskel waren zum Teil abgestorben da er anscheinend sehr lange auf einer Stelle gelegen war in seinem Drogenrausch. Er war damals auf der neurologischen Station in Maria Gugging.

Der Arzt sagte mir damals , wenn er diese Drogen noch einmal nimmt dann wird er das nicht überleben.

Ich versuchte alles damit er diese Drogen nicht mehr nimmt und er hatte wohl auch Angst davor.
Ein halbes Jahr war komplett Ruhe und er fuhr auch nicht mehr nach Wien. Aber er war ziemlich einsam. Abends saß er meistens mit seinem großen Bruder zusammen oder er spielte stundenlang Playstation.
Nur ganz selten ging er mit seinem Bruder oder seiner Schwester weg.

Aber wir verstanden uns super und alles war bis auf seine Einsamkeit in Ordnung.

Dann kam dieser Tag den ich gerne aus dem Kalender streichen würde.

Er kam und sagte dass er einkaufen möchte und deshalb nach Wien fährt. Wieder fühlte ich diese fürchterliche Angst in der Magengegend. Ich rief ihn am Nachmittag an und hörte im Hintergrund die Stimme dieses Freundes.

Ich schrie ins Telefon:" Warum bist Du wieder bei dem? „Dann nimmst Du wieder etwas!`Er sagte:"Nein Mama, mach Dir keine Sorgen, ich hab es nicht vor, wieder etwas zu nehmen.!"
Ich hatte den restlichen Tag keine Ruhe mehr und rief immer wieder bei ihm an, er hob allerdings nicht von seinem Handy ab.

Ich rief seinen Vater an und bat ihm Angelis zu holen, da ich so ein schlechtes Gefühl hatte. Der sagte aber, dass dies keinen Sinn habe, denn wenn er ihn jetzt holen würde, dann wäre in 14 Tagen wieder das gleiche.
Gleich darauf kam der beruhigende Anruf von Angelis. Er war komplett normal und man merkte nichts von Drogeneinfluß. Er fragte ob er am kommenden Tag um eine Stunde später zur Arbeit kommen könne, da er so spät nicht mehr mit dem Zug aufs Land fahren wolle.
Ich sagte ja und das verzeihe ich mir nie.

Am nächsten Morgen rief ich bei Angelis an um zu fragen ob er schon auf dem Weg zur Arbeit sei. Es hob eine Frau vom Roten Kreuz ab.
Meine Füsse versagten ihren Dienst.

Nach meinem Traum den ich diesen Morgen hatte und unter „Wahrnehmungen" beschrieben habe schrie ich nur noch ins Telefon: „ Ist er tot, ist er tot?" Die Antwort kam prompt.

„Ja, er ist tot!" ...